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1994

Abendgebet

Liebes Arbeitsamt!

Auch wenn Du nicht in der Lage bist, mir einen anständigen Job zu vermitteln, wünsche ich mir von ganzen Herzen, das Du wenigstens für unseren Hausbesitzer ganz schnell einen Job findest, aber bitte weit, weit weg von seinem Haus.

Zur Zeit lungert er mit seinem billigem Pfeifentabak Tag für Tag im Treppenhaus herum und die gesamte Mieterschaft kümmert sich mit vereinten Kräften um ihn. Abwechselnd lässt sie sich mit Weisheiten und Ratschlägen vollmüllen. Aus lauter Verzweiflung über diese hausinterne Treppenfalle beißen die ersten schon in die Tischkanten.

Liebes Arbeitsamt, sei doch wenigstens das eine mal nicht so hartherzig und denk auch mal an Deine soziale Verantwortung gegenüber anderen. Auch Dich kann er als Besucher in seinem Haus erwischen und dusselig anquatschen. Jedenfalls, seine Schränke hat er schon lange mit seinen Halbwahrheiten vollgestopft.

Liebes, liebes Arbeitsamt, habe doch mit uns Mietern Erbarmen und erlöse uns von diesem Plagegeist.

G. K. 1994

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