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2008

Ein Spaziergang am 24.12.2008

Auch wenn der Hund schon 8 Jahre ist, braucht er immer noch viel Bewegung. Und so gehen wir jeden Mittag spazieren.

Bei Nieselregen ging es heute zum Hundeauslaufgebiet in die Hasenheide. Hier stammen die Trampelpfade ins Unterholz nicht von Wildschweinen, sondern durch afrikanische Drogenverkäufer und ihrer meist männlichen Kundschaft. Jetzt, in den letzten Stunden vor der Bescherung glichen diese Pfade schon eher Ameisenstraßen. Im Streichelzoo war nichts los, auch nicht nebenan auf der eingezäunten Hundewiese. Dafür aber auf dem Weg zur Bergmannstraße.

Vom Denkmal für die Berliner Trümmerfrauen bis zum Eingang Südkreuz treffen sich die, die es nicht nötig haben, sich im Gebüsch zu verstecken. Lautstark geht es hier zur Sache, Hunde laufen frei herum und mein Hund mitten drin. Ich werde von den afrikanischen Dealern und deren Kunden wie immer freundlich begrüßt. Am Südkreuz angekommen, liefen die Menschen mit Blumensträußen und Tüten zur U-Bahn.

Auf der Bergmannstraße war es ungewöhnlich ruhig. Alle Restaurants, Cafes, Bars und Geschäfte hatten mittlerweile geschlossen und am Marheinekeplatz wurden die letzten Buden des Weihnachtsmarktes von Meschen ausländischer Herkunft abgebaut.

Jetzt, kurz nach 15 Uhr, strömten junge Mütter und Väter mit ihren Kindern, mit und ohne Oma und Opa im Schlepptau, zum Familiengottesdienst zur Passionskirche.

Entlang der Zossener Straße ging es nun weiter. Rund um den U-Bahnhof Gneisenaustraße hatten viele Läden geöffnet. Es ging nun weiter zum Blücherplatz. Auch hier strömten erstaunlich viele Elternteile mit ihrem Nachwuchs in die Kirche. Mit dem Hund ging ich weiter zum Urbanhafen. Kaum war der Hund von der Leine, stürmte er zu einer schwarzen Dackeldame mit Regencape. Ihr Frauchen trug Gummistiefel, dazu eine schwarze, fein glitzernde Hose und unter dem Anorak schaute eine ebenso glitzernde Bluse hervor. Am Kanal war es ruhig. Von weiten mischte sich das Glockenläuten mit Sylvesterböllern. Am Eingang des Urbankrankenhauses war auch nicht viel los. Auch hier am Planufer war es still. Hier eilten die letzten zum Gottesdienst in die Melanchthon-Kirche.

An der Kottbusser Brücke angekommen, war es vorbei mit Weihnachten. Die Läden unserer Mitbürger mit Migrationshintergrund hatten alle geöffnet. Auch entlang des Maybachufers waren die Fenster der Kebabläden hell erleuchtet. Hier und da huschte jemand mit Geschenken unter dem Arm an uns vorbei.

Ich ging die Liberdastraße entlang zum Reuterplatz und weiter die Reuterstraße hoch zur Sonnenallee. Die Weihnachtsdekoration an einigen Balkons wirkte hier eher verloren. In der Hähnchenbude sitzen junge Muslime und die Geschäfte für Brautmoden haben ebenfalls geöffnet. Nicht anders auf der Karl-Marx-Straße. Die Männer-Cafes sind wie immer gut besucht. In einem Schaufenster hing ein Zettel, mit dem eine blonde, weibliche Bedienung gesucht wird.

Als ich in unserer Straße ankam, schloss gerade der afrikanische „Beauty Shop“ gegenüber.

Am Abend lief ich mit dem Hund noch einmal um den Block. Vor einem Haus stand ein Umzugswagen und auf der Hermannstraße fuhr laut hupend eine türkische Hochzeitsgesellschaft an mir vorbei.

Aber heute war irgendetwas anders. Der afrikanische Beauty Shop und das afrikanische Cafe an der Ecke hatten heute Abend zu. Es war ruhig ums Haus. Die Kunden und Gäste belagerten diesen Abend einmal nicht den Bürgersteig.

G. K. 2008

Die Neuköllner Luft

Seit wir in Neukölln wohnen, hat sich die Luft verändert. Viele Ofenheizungen wurden abgerissen und durch Fernheizungen ersetzt.

2005 schloss die Kindl-Brauerei auf dem Rollberg. Damit verschwand ein typischer Kiezgeruch.

Am 31. Oktober 2008 wurde nun auch der Flughafen Tempelhof geschlossen. Damit verschwanden nicht nur der Kerosin-Geruch, sondern auch die Geräusche der Flugzeuge.

Übrig geblieben sind neben den Autoabgasen nur noch der Schokoladengeruch und der Geruch von geröstetem Kaffee aus dem Neuköllner Industriegebiet.

G. K. 2008

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